Pfarre St. Stephan

Vorschau


Kirchenchor St. Stephan

Auf den Spuren Johann Sebastian Bachs
Chorreise 2008


Sonntag, 17. August, 7 Uhr morgens: Eine Kleinstadt am Rande des Wienerwaldes schläft noch. Am Bahnhof jedoch herrscht schon buntes Treiben. 33 unerschrockene Soprane, Alte (Stimmlage!), Tenöre und Bässe - nebst Anhang und Kaplan - trotzen der Morgenstunde und besteigen den Autobus: Die Chorreise des Kirchenchores Baden St. Stephan nach Thüringen und Sachsen beginnt.

Erstes Ziel, das nach vielstündiger Busfahrt erreicht wird, ist Gotha. Die Altstadt und das Schloß laden sofort zu einer ausführlichen Erkundung des Ortes ein, die bei Rostbrätel mit Klößen und Köstritzer Schwarzbier endet. Dann heißt es "Schlafen gehen", denn eine anstrengende Woche steht uns bevor.

Wartburg "Auf den Spuren Johann Sebastian Bachs" ist das Motto unserer Reise, und so beginnt der Montag mit dem Besuch seines Geburtsortes Eisenach, wo Bach am 21. März 1685 das Licht der Welt erblickt hat. Neben der Besichtigung der Altstadt, des Bachhauses und der Wartburg bleibt glücklicherweise auch genug Zeit, die berühmte Thüringer Rostbrat"wrscht" zu verkosten.
Der Kaffee wird dann in Mühlhausen eingenommen, freilich erst nach dem Besuch der Blasiikirche, an der Bach von 1707 bis 1708 als Organist tätig war.

Am Dienstag verabschieden wir uns von unserem Quartier in Gotha und nehmen Kurs Richtung Weimar. Auf den Weg dorthin lernen wir Ohrdruf kennen, wo Bach bei seinem älteren Bruder Johann Christoph das Orgelspiel erlernte. Seine erste Anstellung als Organist erhielt er dann 1703 in Arnstadt, dem nächsten Ziel auf unserer Reise. Das Tagesprogramm endet in Dornheim mit der Besichtigung der Bartholomäuskirche, der Hochzeitskirche Bachs. Hier können erstmals unsere Organistinnen (und auch unser Herr Kaplan) ihr Können auf der Orgel beweisen.

Bartholomäuskirche in Dornheim

Am Abend kommen wir bei unserem Hotel in Weimar an. Der Tag war immerhin anstrengend genug, dass kaum jemand mehr an eine erste abendliche Stadterkundung denkt. Gutgemeinte Versuche enden etwa 50 Meter vom Hotel entfernt in der "Glocke".

Heute (Mittwoch) tritt Bach ein wenig in den Hintergrund. Denn Weimar ist in erster Linie die Stadt Goethes und Schillers (und auch die Stadt der großen Tortenstücke und des billigen Bieres - das aber nur nebenbei). So begeben wir uns auf die Spuren der beiden bedeutenden Schriftsteller (Schillerhaus, Goethehaus) und der Literatur überhaupt (Herzogin Amalia-Bibliothek). Abends singen wir die "Loreto-Messe" von Goller in der Kirche des Karmeliterinnen-Kloster Weimar-Schöndorf.
Als der Tag zu Ende geht und der nächste Morgen graut, wissen auch die früh zu Bett gegangenen, warum das Lokal neben dem Hotel "Glocke" heißt ...

Der Donnerstag führt uns nach Köthen. Bach wirkte hier von 1717 bis 1723 als Kapellmeister und Director derer Cammer-Musiquen bei Fürst Leopold von Anhalt-Köthen. Nach Besichtigung des Renaissanceschlosses mit Bach-Gedenkstätte, der Agnus- und Jakobskirche geht es nach dem Mittagessen weiter nach Leipzig, zur letzten Station auf unserer Reise.

Johann Sebastian Bach Nachdem schon am Vorabend einige Mutige die Altstadt erkundet haben, startet der Freitag mit einer Busrundfahrt durch Leipzig. Am Völkerschlachtdenkmal ist einmal Pause - ja, auch so etwas sollte man einmal gesehen haben. Danach aber folgt die Rückkehr in die Altstadt und die Besichtigung der Thomaskirche. Den extra einstudierten Choral "Ach Herr, lass dein lieb Engelein" dürfen wir leider nicht an Bachs Grab singen, da gerade die Orgeln gestimmt werden. Das holen wir aber in der Nikolaikirche nach, dem Ort der Uraufführung der Johannespassion. Sie bildet den Schlußpunkt der kleinen Stadtführung nach Zimmermannischem Caffee-Hauß, altem Rathaus und alter Börse.
Einen besonderen Abend verbringen wir gemeinsam in "Auerbachs Keller", mit Fasskellerführung und Verjüngungstrunk - bei einigen hat er tatsächlich gewirkt.

Am Samstag heißt es langsam Abschied nehmen. Zu einem weiteren Höhepunkt unserer Reise wird jedoch ganz unvermutet der Besuch der Kirche in Fraureuth: Hier steht nämlich eine original erhaltene Silbermann-Orgel, die uns vom Kantor liebevoll vorgestellt wird. Nur schwer sind unsere Organistinnen von ihr zu trennen. Doch leider müssen wir weiterfahren.

Vieles gäbe es noch zu sehen, vieles noch zu erfahren, manch einer ist zum Bach-Fan geworden. Am 23. August treffen wir abends wieder in Baden ein.
17. bis 23. August ... 1723 ... da wurde Bach in Leipzig Thomaskantor. Ein bissl Zahlensymbolik muss bei einer Bachreise schon dabei sein.