Pfarre St. Stephan

Vorschau


Kirchenchor St. Stephan

Chorreise Friaul - Isonzotal

3. bis 7. Juli 2016

Reichlich früh für unser Verständnis – 07:15 Uhr – waren wir bei unserem schon üblichen Treffpunkt Bahnhof Baden versammelt und konnten pünktlich um 07:30 Uhr unsere heurige Chorreise beginnen. Die erste freudige Überraschung für uns war unser Fahrer: Herr Isailovic, der uns allen noch in bester Erinnerung war von unserer schönen Reise 2013 in die Zips. Vorinformiert hatte er auch genügend „Reiseproviant“ eingekühlt und zügig ging es Richtung Süden.

Nach einem Zwischenstopp für uns und vor allem für unseren Fahrer erreichten wir unser erstes Ziel in Kobarid/Karfreit, wo wir im Kobariški Muzej einen beeindruckenden und bedrückenden Einblick in die Grausamkeit und Sinnlosigkeit jeden Krieges erhielten: In 12 Räumen wird der Kriegsalltag mit seinen verschiedenen Facetten dargestellt. Gleichsam stellvertretend für jeden Krieg ist die 12. Isonzoschlacht in einem Panorama nachgebaut, ohne von Siegern oder Besiegten zu sprechen.

Chorreise 2016

Gerne fuhren wir unserem nächsten Ziel entgegen – Cividale del Friuli, wo wir den sogenannten „Langobarden Tempel“ bewunderten. Erbaut als Kapelle für den Königshof in der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts diente er später Benediktinerinnen und Ursulinen als Oratorium. Wunderschöne Stuckverzierungen, steinerne Skulpturen von Heiligen und Fresken aus dem 14. Jahrhundert ließen uns staunen! Der Rundgang durch die Stadt war angenehm nach der langen Fahrt. Wir fuhren weiter nach Gorizia, wo wir im „Best Western Gorizia Palace Hotel“ unsere Zimmer bezogen. Es sollte unser Standquartier für die nächsten 4 Nächte sein. Fünf Minuten Fußweg trennten uns vom Restaurant „Ai Tre Soldi Goriziani“, wo wir unser Abendessen genossen.

Am nächsten Morgen ging es zunächst in das auf der slowenischen Seite der Stadt liegende Franziskaner Kloster Kostanjevica, wo wir einen von unserem Pfarrer P. Amadeus gestalteten Wortgottesdienst abhielten. Durch unseren bewährten Reiseleiter Dr. Stadler erfuhren wir – für die meisten von uns Unbekanntes – zum Schicksal der Tochter Marie-Antoinettes, die als einzige der königlichen Familie die Französische Revolution überlebte: In der sogenannten „Bourbonengruft“ ruhen die letzten Mitglieder der französischen Königsfamilie der Bourbonen.

Unser nächstes Ziel war Aquileia. Staunend standen wir in der Basilika vor dem schönen Mosaikboden, der ca. 310 n. Chr. unter Bischof Theodorus entstanden ist. Besonders Sportliche genossen den wunderschönen Blick vom Campanile.

Alle hatten wir uns jedenfalls die Mittagspause in Grado verdient, nach der es weiter zum Schloss Duino ging. Nicht nur Rilke-Fans (Duineser Elegien, 1912-1922) konnten sich für das Schloss und seine Lage begeistern!

Auf der Rückfahrt nach Gorizia hatten wir in Komen mit den üppigen Portionen unseres Abendessens „Schwierigkeiten“.

Chorreise 2016 - Štanjel

Der nächste Tag brachte für einige von uns den „Höhepunkt“ der Reise. Bevor es jedoch so weit war, ging es nach Štanjel. Die Wurzeln des Ortes reichen bis in die Hallstattzeit zurück, die schon von den Römern erbaute Festung war im Mittelalter ein wichtiger Handelsknotenpunkt. 1500 gelangte der Ort in den Besitz der Habsburger. Die im Ersten Weltkrieg entstandenen Verwüstungen wurden in der Zwischenkriegszeit durch einen „typischen Altösterreicher“ mit großem Engagement beseitigt. Der Architekt Max Fabiani (1865-1962) mit österreichisch-italienisch-slowenischen Wurzeln erwarb sich große Verdienste beim Wiederaufbau des Ortes, dessen Bürgermeister er von 1935 bis 1945 war. Seine Spuren hinterließ er u.a. auch in Wien durch das Haus Kohlmarkt 9, bekannt unter dem Namen Artaria-Haus, in dem sich bis 2014 die Reisebuchhandlung des Verlags Freytag & Berndt befand. In Štanjel spazierten wir im Rahmen eines Rundganges durch den schönen Garten der Villa Ferrari, die Fabiani für seinen Schwager erbaut hatte.

Nach einem üppigen Mittagessen ging es endlich nach Lipica/Lipizza, wo wir nach einem interessanten Rundgang eine Vorführung der klassischen Lipizzaner-Reitschule erleben konnten. Wie so oft waren viele von uns noch nie in Wien bei den Lipizzanern, aber nun konnten wir sie im „Original-Gestüt“ bewundern.

Bei der Rückfahrt gab es noch einen kleinen Zwischenstopp am Monte San Michele (ein weiteres Denkmal für die blutigen Isonzoschlachten), wobei ein weibliches Chormitglied unter Beweis stellte, dass auch Frauen „Muskelschmalz“ besitzen, und davon nicht wenig!!! Unser Fahrer musste ungeplant auf einem sehr kleinen Platz den riesigen Bus wenden – bereits das zweite Mal im Verlauf unserer Reise – was ihm mit souveräner Millimeterarbeit gelang! Abendessen gab es wieder in unserem bereits bekannten Restaurant in Gorizia.

Chorreise 2016 - Triest

Unser erstes Ziel am vorletzten Tag war Schloss Miramare. Geführt und auf eigene Faust durchstreiften wir Schloss und Park. Die Anlage ist eng verbunden mit den Habsburgern und damit auch mit österreichischer Geschichte. Eisenbahngeschichte erlebten wir anschließend im „Eisenbahnmuseum“ in Triest, wobei bei einigen Kindheitserinnerungen wach wurden beim Anblick der alten Dampflokomotiven. Von dem anschließenden geführten Spaziergang durch die Innenstadt durch einen lokalen Guide waren wir nicht restlos begeistert, doch bekamen wir einen guten Überblick für die anschließende Freizeit, die wir ausgiebig nutzten. Zufrieden und zum Teil neugierig auf das Abendessen in unserem „Stammlokal“ kehrten wir nach Gorizia zurück. Den letzten Abend benutzten die meisten für einen Stadtbummel und Public Viewing im Rahmen der Fußball EM. Die realistische Vorhersage eines Chormitglieds bezüglich der Teilnahme Österreichs an den Endspielen war natürlich schon eingetroffen! Es gab wegen des Reisetermins große Bedenken, die entscheidenden Spiele Österreichs zu versäumen, man sollte den Termin doch bitte unbedingt verschieben! ☺

Der letzte Tag kam wie immer viel zu früh, aber pünktlich zum vereinbarten Zeitpunkt fuhren wir ab Richtung Heimat. Die verblüffende Kombination von flüssigem Metall und Garn erlebten wir bei einem ersten Zwischenstopp in Idrija. Der über 500 Jahre währende und immer noch gefährliche Abbau von Quecksilber ist eng verbunden mit der mit dem Faden geschriebenen Geschichte der Stadt. Aus der Zeit vor 1800 stammen die ersten Dokumente über Handel mit Klöppelspitzen durch Hausierer. Um den meist früh verwitweten Frauen der Bergknappen eine finanzielle Basis zu verschaffen, wurde diese Handarbeitskunst von vielen meisterhaft betrieben. Die 1876 gegründete Spitzenklöppelschule besteht heute noch. Der seit circa 1493 betriebene Bergbau wurde in den späten 1970er Jahren eingestellt. Seit Juni 2012 sind Idrija und Almadén in Spanien als „Historische Stätten der Quecksilbergewinnung“ in die UNESCO-Welterbe Liste eingetragen. Ohne große Probleme erreichten wir wohlbehalten Baden und können zu unseren „Reise-Highlights“ ein weiteres hinzufügen.

Text: Adelheid Hlawacek